Archiv für den Monat: August 2013

24. Tag

Seit 04:00 nervt ein quietschendes Geräusch und leichtes rumsen, das ich nicht zuordnen. Umdrehen, Verdrängen, Umdrehen, Verdrängen. Um 07:30 stehe ich auf um das zu beheben. Kommt vom Nachbarschiff…Motorboot. Dessen Bugleiter liegt auf dem Steg und reibt. Eine untergelegte Holzleiste behebt das Problem.

Ich marschiere zum Sommerkaufmann (Hatte keine Sommer auf Lager, sonst hätte ich mich eingedeckt) und tausche den Brötchengutschein gegen Rundstücke. Es gibt noch etwas Fischerei im Hafen, und das macht sofort eine andere Atmosphäre als in den üblichen Marinaghettos.

Einige Fotos:

Hafen 1

Fischerhütten

Motor

Ein alter Seagull Zweizylinder, wird bestimmt noch einmal gebraucht

Netz

Netze

Post

Die Poststation

JazzCafe

Jazz beim Kaufmann

Bug

Boot auf dem Slip, Kupferplatten auf Eiche gegen Bewuchs.

Yoho

Yoho mit Heckanker am Steg. Das rote Heck; es gibt wenig rote Boote.

Jetzt warten wir, bis KH seinen Landlieger ´rausgelassen hat und dann gehts wandern. Eine schöne Insel, Hanö.
Einmal um die Nordspitze, zum engischen Friedhof und zum Leuchtturm. Es geht durch Strauchwerk, über riesige blanke Granitplatten, in deren Rinnen sich Vegetation festklammert, hoch zum Leuchtturm. Wir sehen 2 Hirschrudel, pflücken einige Brombeeren und freuen uns über Jazz, die durch die Landschaft saust. Zurück im Hafen ist sie so platt, das sie nicht mal mehr in´s Wasser schwimmen will.

11:00 legen wir ab Richtung Simrishamn, 30 sm, dort Diesel bunkern, und dann weiter in den kleinen Hafen Skillinge. Kaum Wind, aber von vorne, also Motoren gegen alte Welle, aber die wird in Landnähe weniger.
Also Autopilot an und lesen.
Und Ausschau halten, etliche deutsche und niederländische Yachten ziehen nach Süden Richtung KielKanal. Da müssen wir auch hin.

In Simrisham tanken wir, 140 Liter. Weiter geht´s nach Skillinge, sehr kleiner Hafen. Wir legen uns in den Fischerhafen, Astrid und KH auf uns drauf und nehmen ein Ankommerbier im Hafenrestaurant. Leckere Sachen kochen die da, aber bei uns gibt´s Ikes Putanesca. Das ist unschlagbar.
Ich hab auch richtig Hunger auf viel Nudeln!

 

 

 

 

23. Tag

Morens ist wenig Wind, von Backbord. Fock ausrollen so daß das Vorstag frei liegt und dann zieht mich Ike hoch in den Mast, ich habe das Spi-Fall zum Bugsprit gespannt und kann darann parallel zum Vorstag schrittweise abgefiert werden und alle 8 fehlenden Schrauben mit Loctite wieder einsetzen.

Das neue Marinemuseum ist fantastisch aufgemacht. WEie in fast allen Kriegsmuseen in Schweden ist der Zeit des kalten Krieges und der Sinnlosigkeit von Krieg ein großes Kapitel gewidmet. Was ich nicht wußte, ist, das Schweden in vielen internationalen Friedensmissionen mitarbeitet, so auch am Horn von Afrika gegen Piraterie.

Wir laufen gegen 13:00 aus, von links kommt ein Kriegschiff. Hubschrauberträger mit Lenkwaffen, seltsam geometrisch geformt, hat nichts mehr mit Schiffsilhouetten zu tun. Stealth, Radar nicht reflektierend, grau in grau gemalt, unwirklich und geräuschlos zieht es vor uns vorbei.

Jetzt liegen wir im Hafen von Hanö, hinter der Mole mit der Nase im Wind. Morgen früh gehts über die kleine Insel, 11 Einwohner! Es gibt einen englischen Friedhof aus der Zeit der Kontinentalsperre 1807-1814; Napoleon sollte isoliert werden, und die Engländer hatten Hanö damals als Basis besetzt. Das war die Hochzeit der Segelschiffskriegsführung, im Museum auch anschaulich und eindrücklich dargestellt.

Karlskrona war Flottenbasis, und es gab u.a. auf der Marinewerft den Beruf des Blockmachers. 30 Handwerker stellten nur Blöcke her….und die Werft in 5 Jahren 7 Linienschiffe und 7 Fregatten in einer Art Taktbauweise.

Nach einem guten Essen im Hafenrestaurant, Fischsuppe und Zander mit grünem Spargel und überbackenem Kartoffelstampf beobachte ich den Leuchtturm, dessen 3 Gleichtaktstrahlen in 2 Sekunden Abstand über uns hinwandern und die Seefahrer leiten. Seit mehr als hundert Jahren.

Sehe gerade, das wir im Positionsreport einen kurzen Abstecher ins Südmeer Richtung Antarktis gemacht haben; das bringt Meilen….wohl ein Fehler bei der Positionsübermittlung.

 

22. Tag

08:00 ablegen, stilles Manöver mit Seitenwindhilfe, und schönes Segeln um Utlängan hart am Wind 8 sm, dann Wende und nochmal hart am Wind 8 sm und dann abfallen in die Bucht von Karlskrona. Sonnig, aber im Wind kühl, später dann raumwindig wie immer warm. Beim Segeln entdecke ich, das sich die Sicherungsschrauben der einzelnen Profilvorstagschüsse zum Teil gelöst haben, 8 Stück sind gone with the sea….

Edelstahlschrauben M5, Zylinderkopf mit Schlitz, Länge 6 mm gibt es hier nicht und ich habe auch keine dabei. Also Schraubstock ´raus und die passende Anzahlk + 4 in Reserve abgesägt auf die passende Länge. Wenn heute abend – hoffentlich – der Wind einschläft werde ich die Fock ausroillen und ike muss mich dann im Sitzgurt in den Mast ziehen, damit ich die Schrauben ersetzen kann. Die klebe ich nun mit Loctite ein.

Aber das Schlagen des Segels, Spannung und Entrspannung sind schon gewaltige Kräfte.

Wear and tear sagt der Engländer….KH hat´s die Steuersäule losgeschlagen. Ebenfalls Schrauben gelöst. Keine Sicherungsschrauben, kleine Klemmringe. Nun, GFK ist hat weicher als Strahl, und darin zu schrauben geht nur mit einer gewaltigen druckverteilenden Gegenplatte. Die´s aber auch nicht gibt. Mein Respekt vor Edelwerften sinkt mal wieder weiter nach unten.

Morgen sehen wir uns das Marinemuseum an und dann geht´s weiter, Utklippan, Hanö, mal sehen, wie der Wind steht. Der wird auch essentiell für die weitere Planung. Leider meist West mit südlicher Komponente.
Also vermutlich die Bucht von Hanö aussegeln.

Ich habe Freds Musik laufen, Vangelis ;-)) Glory in Paradise. Sie kommt runter, dreht ganz leise. Wenig später ssetzt sie sich auf den Navisitz, grinst, startet laut Vabgelis. Ich sage, das hast Du mir gerade abgedreht. Nee, echt?
Jetzt geht der Meister an den Herd, Rolls mit Gemüsehackfleischfüllung gibt es, mit ordentlich Zwiebel.

21. Tag

Morgens schnell einkaufen für die nächsten 4 Tage, dann um 10:30 ablegen.Astrid und KH segeln mit.
Erstmal gibt es Wind, versprochen sind für die nächsten 2 Tage West. Vor Kalmar gibt es Windlöcher, der Wind südet und ab Kalmar haben wir4-5 kn Wind auf der Nase und ein Gewitter mit schwarzen Wolken von Backbord aufziehend.

Dann ging es sehr schnell, es wird dunkel, es kommt eine Sturzregenfront und dann Hagel in Erbsen bis Bohnengröße. Astrid und KH´s Schiff verschwindet im Hagel. Ich halte das Boot am Wind

Hagel1

und im Segelkleid sammelt sich der Hagel und rauscht als Eisbach an der Baumnock ins Meer.

Hagel3

Im Cockpit, auf Deck liegt Hagel.

Hagel2

Was tun damit:

In Gläser füllen und Campari ´draufgießen.

Hagel4

Und einen Sack abfüllen ins Gefrierfach legen für ähnliche Zwecke später.

Hagel5

Campari on the Hagel…..

Kurz darauf gibt es die nächste Bö, weniger Hagel, Der Wind dreht auf Ost, Nord West, Nord. Unter Groß mit Bullentalje und Winden achterlich 5-6 kn laufen wir unter Motor 8-9 kn.

Dann kommt die Sonne, es wird warm und im Nu ist das Teakdeck wieder trocken. 1/2 Stunde sonnen und dann kommt die nächste Gewitterwolke. Ostseewetter.
Noch eine Stunde bis Kristianopel, das hört sich byzantinisch an, warum, weiß der Teufel.
In Kristianopel gehen wir rückwärts ´rein und längs an den Kai.
Ich finde einen  Schnuller, der Jazz gefällt. Sieht bescheuert aus, Hund mit grünem Schnuller!
19:30, die Pfifferlinge brutzeln in der Pfanne, es herrscht ein wunderbares Abendlicht, das alle Farben satt und kräftig erscheinen läßt, und ab und zu regnet es leicht. Das waren heute 44 sm, morgen wollen wir um Utlängan herum und nach Karlskrona. Da soll es ein fantastisches vielgelobtes Marinemuseum geben. Und jetzt ein Bier her!

 

20. Tag

20 Tage, keine Tageszeitung, kein Spiegel, kein TV (sowieso selten) E-mails wenige und nur dann, wenn ein Netz empfangbar ist. Sensationelle einsame Landschaft, Stadttrubel wenn wir wollen, Ruhe zum Lesen; wir fühlen uns wohl.Wir legen um 10:00 ab und verlassen diesen schönen Liegeplatz.

Schärenplatz 2

Es geht Richtung Kalmar, Ziel zunächst Monsteräs. Dann dreht der Wind, wir liegen Borgholm auf Öland an. Der Wind dreht zurück, also gegenan. Es ziehen mehrere Fronten durch, unglaublicher Himmel.

Wetter2

Wetter1

Wetter3

Der Regen hat uns verschont, vor dem Hafen gibts noch eine schwarze Wolke mit viel Wind. Wir legen längs an der Aussenmole an, bei 28 kn. Wind seitlich ein Leinenmanöver, dauert, aber klappt prima.
Nach 44,44 sm sind wir am Ziel, Schnappszahl, das gibt einen Anlegegrappa.

Gegenüber entdecken wir an einem Steg Astrid und KH mit der „Miles to Go“, Sie legen ab und kommen an die Aussenmole. Jazz freut sich ein Loch in´s Fell.

Der Wind schläft ein, die Sonne scheint. Noch 17 sm bis Kalmar, das lassen wir morgen rechts liegen und gehen Richtung Karlskrona, der alten Marinebasis